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Diese Geschichte ist der erste Teil der dreiteiligen Saga um die Sacayraner, einer Spezies vom Planeten Sacayra. Die Geschichte ist Momentan noch unvollendet, um Vorschläge oder (konstruktive) Kritik wird außdrücklich gebeten. 

Teil 1: AsylBearbeiten

Kapitel 1: SturzBearbeiten

Die Stargazer befand sich im freien Fall. Um das ehemals Stolze Raumschiff des Sacayranischen Reiches tobten die Winde des Atmosphäreneintrittes, rissen an den Antriebsgondeln und drohten, das bereits schwer beschädigte Schiff nunmehr vollständig zu zerstören. Nur schwarze und weiße Schlieren zogen über den Hauptmonitor auf der Brücke, denn vor dem Eintritt hatte man die Außenkameras einfahren müssen, um nicht auch deren Zerstörung zu riskieren. Die Stargazer taumelte, ein Spielball von Wind und Gravitation der versuchte, sich seinen Weg in die tieferen Atmosphärenschichten zu bahnen.

„Nur immer die Ruhe bewahren!“, rief Admiral Grahmox seinen Offizieren zu. Seine Finger tasteten fahrig über die Steuerkonsole während er sich verzweifelt mühte, das Schiff auf Kurs zu halten. Immerhin was das hier kein Handels- oder Militärschiff, verdammt noch mal, sie transportierten Zivilisten. Bei jeder neuerlichen Erschütterung drohten die beiden Köpfe des Sacayraners, gegeneinander zu schlagen, doch der Admiral hatte bisher gut durchgehalten. Die Tatsache, dass die Sacayraner über zwei Köpfe verfügten, wurde von den meisten anderen Spezies als befremdlich aufgefasst, allerdings hatten die Sacayraner früherer Zeiten auch nicht schlecht gestaunt, als sie erstmals auf die Zahlreichen Spezies ihres Raumsektors trafen, und feststellen mussten, das diese lediglich über einen Kopf verfügten. Allerdings verfügte jeder Sacayraner nur über ein einzelnes Bewusstsein, sodass die beiden Köpfe sich keineswegs, wie mach böse Zungen behaupteten, untereinander streiten konnten.

Ein weiterer Ruck ging durch das Schiff. „Schildsysteme Ausgefallen!“, vermeldete Kommodore Alixia. Sie war der erste Offizier an Bord der Stargazer und überwachte die Schiffskontrollsysteme. „Außendruck fällt, das Schlimmste haben wir hinter uns. Jetzt müssen wir nur noch in einem Stück unten ankommen.“, fügte sie mit leicht ironischem Unterton hinzu. In der Tat würden die Probleme noch nicht aufhören, selbst wenn das Schiff es bis zur Planetenoberfläche schaffte. Nicht darüber nachdenken, mahnte sich Grahmox im Stillen, bring uns einfach runter, dann sehen wir weiter. Tatsächlich hatte das schlingern des Schiffes nachgelassen. „Bolevin, wo zur Hölle sind wir?“, fragte Grahmox, an einen Navigationsoffizier gewandt. Bolevin war für gewöhnlich auch Steuermann und Sensoroffizier, aber in Situationen wie diesen pflegte der Admiral, selbst das Ruder zu übernehmen. „Noch ein Paar hundert Meter, dann haben wir die Thermosphäre passiert. Das gibt noch mal einen prächtigen…“ wahrscheinlich hatte er Stoß sagen wollen, denn von einem Solchen wurde Bolevin mitten im Satz unterbrochen. Noch einmal bebte des gesamte Schiff und es schien, als wolle die Stargazer diesen letzten Stoß nutzen, um endgültig auseinanderzubrechen. Alle Brückenoffiziere hielten für einen Moment den Atem an, doch dann erstarb das Zittern und wurde durch das leichte Vibrieren ersetzt, welches beim durchfliegen der unteren Atmosphärenschichten unvermeidlich auftritt. Einen ruhigen Flug konnte man dies nach wie vor nicht nennen, allerdings sorgte sich nun Niemand mehr um das Schiff.

„Wir haben’s geschafft. Wir durchfliegen die obere Mesosphäre, aktuelle Flughöhe beträgt in etwa 45 Kilometer über dem Meeresspiegel dieser Welt.“ Alle Crewmitglieder waren erleichtert, als sie den Navigationsoffizier wieder in seinem gewöhnlichen Sprachstil verfallen hörten. Bolevin war dafür bekannt, dass er Zahlen und Fakten noch besser herunterleiern konnte als der Schiffscomputer. „Können wir die Außenkameras reaktivieren?“, fragte Gramox allarmiert. „Ist bereits erledigt, Herr Admiral!“, vermeldete Alixia. In diesem Augenblick flackerte der Hauptbildschirm und nach einigen Sekunden diffusen Leuchtens erschienen die wagen Umrisse des Planeten Multis, auf welchen die Stargazer gerade wahlweise Notlandete oder Abstürzte, letzteres lag im Auge des Betrachters. Die grünen Meere von Multis wirkten aus irgendeinem Grund wenig einladend auf die Brückencrew, die felsige Gebirgskette am Horizont ebenso wenig. „Multis, Sir.“, vermeldete Bolevin überflüssigerweise. „Heimatplanet der Multiho und Hauptwelt des von dieser Spezies aufgebauten interstellaren Reiches. Eine Welt der Terrascore-Klasse drei. Die Oberfläche wird von drei großen Landmassen und etlichen Inseln dominiert, darüber verteilt liegen sieben größere Ansiedlungen.“ Die Tatsache, dass Bolevin beide Köpfe zur gleichen Zeit zum Sprechen nutze, konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es seine dünnen, zittrigen Stimmen an der üblichen professionellen Sicherheit mangelte. „Wie währe es, wenn sie sich weniger auf die Geographie und dafür etwas mehr auf die Schiffssysteme konzentrieren würden?“, fragte Kommodore Alixia in ihrer üblich direkten Art. „Ist nicht mehr notwendig.“ vermeldete Grahmox. Während es Streitgespräches hatte er den Flug der Stargazer stabilisiert. „Wie stehen bei einer Flughöhe von Aktuell noch tausend Metern über dem Meeresspiegel.“, vermeldete Bolevin. „Moment… Admiral, da kommen mehrere Objekte auf uns zu. Offenbar Multiho-Angriffskreuzer der Kandelaber-Klasse. Waffensysteme sind Aktiviert. Sie versuchen, uns per Funk zu erreichen.“ Tatsächlich blinkte in diesem Augenblick ein blaues Symbol auf der Kommunikationskonsole auf, welches einen Kommunikationsversuch anzeigte. „Also, mal sehen was sie von uns wollen.“ sagte der Admiral und berührte das Symbol mit der Hand.

„Achtung, anfliegendes Schiff. Hier spricht Kommandeur D’Lock vom Multiho-Angriffskreuzer Brahe. Sie haben ohne Erlaubnis den Planeten Multis betreten. Identifizieren sie sich, oder wir sind gezwungen, das Feuer auf ihr Schiff zu eröffnen.“ Die Stimme aus dem Lautsprecher klang ziemlich frostig, allerdings war diese Bergrüßung noch vergleichsweise freundlich, wenn man bedachte, dass die Multiho das fremde Schiff für einen Angreifer hielten. Der Hauptschirm war mit einem Schlag schwarz geworden, offenbar war die Bildkommunikation ausgefallen. Mit einem doppelten Nicken signalisierte der Kommunikationsoffizier, eine junge Sacayranerin namens Aylish dem Admiral, dass die Sprachverbindung dennoch funktionierte. „Angriffskreuzer Brahe, hier spricht Admiral Grahmox vom Sacayranischen Erkundungsschiff Stargazer. Unser Schiff ist schwer beschädigt und wir haben viele Verletze an Bord. Wir bitten um die Hilfe des Multiho – Reiches.“ „Bitte um Bestätigung: sagten Sie Sacayranisch?“ „Bestätigt.“, erwiderte Grahmox knapp. Natürlich war es verständlich, dass die Multiho mehrmals nachfragten. Zum einen waren die traurigen Überreste der Stargazer kaum noch als Sacayranisches Schiff zu erkennen. Zum anderen….

Die Stimme des Kommandeurs unterbrach den Gedankengang des Admirals. „Haben ihr Schiff gescannt, Admiral. Meine Scanns bestätigen ihre Aussagen. Wie lange können sie sich noch in der Luft halten?“ „Wenn ich das wüsste, Kommandeur. Lange jedenfalls nicht mehr. Die Gefechte auf der Heimatwelt haben uns ganz schön zugesetzt.“ „Ich würde ihnen persönlich gerne helfen, aber ich muss das mit dem Rat absprechen. Sie kennen die Prozedur.“ Natürlich kannte Grahmox die Prozedur. In ihrer Bemühung, stets eine neutrale Haltung gegenüber allen Reichen einzunehmen, hatte dazu geführt, dass keiner mehr traute, irgendeine Entscheidung zu treffen, ohne zuerst den Rat von Multis zu konsultieren. Die Geschwindigkeit der Entschlussfindung des Multiho – Rates (bzw. das Fehlen derselben) war im gesamten Sektor sprichwörtlich. „Die Prozedur kenne ich, aber könnten wie uns vielleicht zumindest zur nächsten Siedlung schleppen? Ich weiß wirklich nicht, wie lange wir noch durchhalten.“ „Sicher, Admiral. Dass sollte kein Problem sein. Wir schleppen sie zu unserer Ansiedlung und versorgen ihre Verletzte. Mehr kann ich alleine nicht durchsetzten, wir müssen auf die Entscheidung des Rates warten.“

Kapitel 2: RatsschlussBearbeiten

Grahmox holte noch ein letztes mal doppelt tief Luft, dann betrat er das Ratsgebäude des Planeten Multis durch eine gigantisch anmutende Doppeltüre aus massivem, dunklem Holz. Vor wenigen Stunden erst war die Stargazer endlich gelandet, Multiho – Ärzte hatten die Verletzten mehr schlecht als recht versorgt, schreckten jedoch davor zurück, die Sacayraner in der Stadt einzuquartieren. So waren diese im Schiff verbleiben und hatten die wenigen Notreparaturen durchgeführt, zu denen die Crew noch ohne fremde Hilfe in der Lage war, der Rest würde frühestens nach einer Einigung mit den Multiho möglich sein. Der junge Admiral war wenig zuversichtlich, Alixia, welche die Arbeiten am Schiff koordinierte, hatte ihm bereits verkündet, das die Stargazer wahrscheinlich nicht wieder abheben würde, wenn die Sacayraner nicht zumindest ein wenig Unterstützung und Ersatzteile erhielten. Und ohne Energie, Nahrungsmittel und Treibstoff würden sie nicht weit kommen. Eine Abweisung durch den Rat konnte Grahmox sich also schon mal nicht leisten. Zwei Multiho – Wächter, beide mit Laserwaffen am Gürtel, führten den Admiral durch die endlos erscheinenden Flure zum Ratssaal. Erstmals nahm dieser sich Zeit, die fremde Spezies, welche er bisher nur auf Abbildungen und Bildschirmen gesehen hatte, näher zu betrachten. Die Multiho liefen stark nach vorne gebeugt, sodass ihre Köpfe beinahe Waagerecht vor dem Körper lagen. Ihre zwei beine wahren grotesk nach hinten Ausgestreckt, denen einer Heuschrecke nicht unähnlich. Die überlangen, muskulösen Arme endeten in dreifingrigen Klauen, auch die Füße waren, so man dies unter dem Schuhwerk feststellen konnte, dreizehig. Unter der Kleidung schimmerte die schuppige, marineblaue Haut hervor. Das auffälligste allerdings wahren die Hornstacheln, welche sich zunächst in einem Kreis um den Kopf, und anschließend in mehreren separaten Rückenkämmen an der Wirbelsäule entlang bis zum kurzen, nach oben gereckten Schweif der Multiho zogen. Dieses Überbleibsel aus archaischer Zeit sollte durch die Uniform der Wächter wohl verdeckt werden, was jedoch nur unzureichend gelang. Man sah diesen Wesen an, dass sie einst vorsintflutliche Kreaturen der Wälder gewesen waren, welche sich aufgrund ihrer Überlegenheit durchgesetzt und weiterentwickelt hatten.

Grahmox zwang sich innerlich, sich auf die aktuelle Situation zu konzentrieren. Der große Rat von Multis. Und er würde gleich vor ihm sprechen. Nicht nur das, von seiner Überzeugungskraft hing auch das Schicksal seines Schiffes, seiner Crew und beinahe tausend weiterer Sacayraner ab, sein Eigenes nicht zu vergessen. Sie nährten sich einer weiteren Doppeltür und dieses Mal überquerten seine Wächter die Schwelle nicht mit ihm, sondern blieben draußen zurück. Grahmox ließ seinen Blick kurz durch den riesenhaften Raum schweifen, musterte die kunstvollen Mosaike an den Wänden und die hohen Sitzreihen zu beiden Seiten darunter. Musterte auch das hohe Rednerpult, welches der Türe gegenüberlag, und zuletzt die Tribüne dahinter. Die Sitzreihen wahren Multiho besetzt, welche um einiges älter wirkten als Jene, denen er bisher begegnet war. Der junge Admiral war zu wenig mit dem Multiho – Rechtssystem vertraut, um zu wissen, welche Rolle sie einnahmen. Waren sie nur Zuschauer oder Ratsmitglieder? Oder waren sie gar Geschworene, die darüber entschieden, welche Strafe die Sacayraner für die unerlaubte Landung auf ihrer Heimatwelt erwarten würde? Sicher war er sich nicht. „Treten sie bitte nach vorne an das Pult, um vor dem hohen Rat zu sprechen!“, erklang eine Stimme von der Tribüne am anderen Ende des Saales. Dort saßen, in kostbar aussehende Gewänder gehüllt, fünf Multiho auf erhöhten Sitzen. Der Multiho auf dem höchsten Sitz, in der Mitte der Tribüne hatte als Erster gesprochen, offenbar bekleidete er einen hohen Rang. Während Grahmox zum Pult in der Raumesmitte schritt, musterte er den Vorsitzenden mit großem Interesse. Ihm viel auf, dass seine Bekleidung, wahrscheinlich eine zeremonielle Robe, nicht wie andere Multiho – Kleidung die Rückenstacheln zu verdecken suchte, sondern diese durch entsprechende Aussparungen sogar eher betonte. Zu der Robe trug der Alte, er musste schrecklich alt sein denn seine Haut war eher grau als blau und glänzte auch nicht mehr, schwarz Handschuhe und einen Stab in der Linken, welcher mit einer auffälligen Schnitzerei am Knauf, offenbar einer dreidimensionalen Darstellung der Galaxis, verziert war. Admiral Grahmox trat an das Rednerpult, die Blicke beider Köpfe fest auf den alten Multiho gerichtet, und machte sich auf das Schlimmste gefasst.

„Ich, K’Arhat, in meiner Eigenschaft als Großgeheimrat und Vorsitzender des hohen Rates von Multis, sowie als oberster Wächter des Rechtes im Sternenreich der Multiho, fordere dich auf, dem Rat deinen Namen, deine Art und dein Anliegen zu nennen.“ Die Stimme des Alten klang wie raschelndes Pergament, hatte jedoch einen Unterton, der keinen Widerspruch zu dulden schien. Es war also an der Zeit. „Mein Name ist Grahmox, ich kommandiere das sacayranische Erkundungsschiff Stargazer und bin… das heißt: ich war bis vor wenigen Tagen erster Admiral des Sacayranischen Sternenreiches.“ Diese Botschaft schien die Anwesenden zu verstören. Wahrscheinlich hatten die Wenigsten jemals einen Sacayraner gesehen und bisher hatte Niemand es für nötig erachtet, den Ratsmitgliedern mitzuteilen, welcher Spezies der Bittsteller angehörte. Man sah den Gesichtern vieler Anwesender an, dass sie sich ausmahlten, was die Anwesenheit des Sacayraner für das Multiho – Reich bedeuten könnte, sollte sie bekannt werden. „Ich vermute, sie Wissen ob der Ereignisse im Sacayranischen Sternenreich, ich möchte sie dennoch kurz darlegen.“, fuhr Grahmox unbeirrt fort. „Bis vor wenigen Tagen umfasste dieses Reich beinahe fünfzig Planeten und Monde, verteilt auf zweiundzwanzig Sternensysteme. Somit zählte es neben den Reichen der Moselianer, der Amahan und der Plüschio zu den vier Großreichen des Sektors. Aufgrund unserer regen Handelsbeziehungen hatten wir mit diesen und weiteren Reichen Bündnisse vereinbart, und wähnten uns vollkommen sicher. Vor wenigen Tagen jedoch zeigte sich, dass die drei Großreiche gemeinschaftlich mit den kleineren Reichen der Mormon und der Urglbr ein Militärbündnis gegen uns vereinbart hatten. Mit der Begründung, die Sacayraner würden die Herrschaft über den gesamten Sektor anstreben, kündigten sie alle das Bündnis mit uns auf und erklärten uns den Krieg. Was folgte ist in der gesamten Geschichte dieses Sektors beispiellos: die Allianz der fünf Reiche griff alle Sacayranischen Systeme zur selbe Zeit an. Eine riesige Armada eroberte oder zerstörte all unsere Kolonien und griff schließlich die Heimatwelt, den Planeten Sacayra an.“ Grahmox senkte an dieser Stelle beide Köpfe. Zu nahe waren die grauenerregenden Erinnerungen an die fremdartigen Raumschiffe, welche aus dem Himmel Sacayras herabstießen, nur um Bomben und Laserstrahlen, Raketen und Energiepulse auf die stolzen Städte des Planeten niedergehen zu lassen. Millionen, ach was, Milliarden waren gestorben. „Nichts blieb übrig.“ fügte er nach einer kurzen Pause hinzu.

„Nichts?“, vergewisserte sich K’Arhat bestürzt. „Uns war bewusst, dass das Sacayranische Sternenreich angegriffen und unterworfen wurde, nicht aber, dass sein Volk abgeschlachtet wurde.“ Die Bestürzung in seiner Stimme klang echt, und der junge Sacayraner bestätigte: „Das Volk Sacayras wurde vernichtet. Nach unseren Informationen wurde keine Kolonie, kein einziges Raumschiff verschont.“ „Und dennoch sind Sie hier. Bisher haben sie uns lediglich das Schicksal des Reiches der Sacayraner geschildert, doch wie ist es mit ihrem Eigenen, dem ihrer Begleiter und ihres Schiffes?“ Grahmox musste schlucken. Seine Hälse fühlten sich sehr trocken an, als er weiter sprach. „Als uns klar wurde, dass die Heimatwelt verloren war, wurden die drei letzten Admirals Sacayras angewiesen, zwei unserer letzten Schiffe mit Zivilisten zu beladen und eine Evakuierung zu versuchen. Die Stargazer und die Unity, beide mit je tausend Sacayranern an Bord, wurden ausgesandt, während uns die Fourclawed, Admiral Andras Schiff, uns Feuerschutz gab. Der Stargazer gelang es tatsächlich, unter schweren Verlusten durch die Blockade zu brechen. Bei diesem Versuch wurde die Fourclawed zerstört, und von der Unity fehlt bis heute jede Spur. Wir müssen daher auch ihre Zerstörung und den Tod von Admiral Tsardu annehmen. Somit sind wir die letzten Sacayraner, die überlebt haben. Wir flogen in des Einzige angrenzende Reich, welches sich den Sacayranern gegenüber nicht feindselig verhalten hatte, zu den Multiho, die sich in jeder Situation neutral verhalten haben. Im Nahmen meines Volkes bitte ich den hohen Rat von Multis um Hilfe. Unsere Verletzten müssen versorgt werden. wir benötigen Nahrung, sowie Treibstoff und Ersatzteile für unser Raumschiff.“ Die letzten Worte waren mehr als nur eine aufrichtige Bitte, sie waren ein Hilferuf eines gebeutelten Volkes. Die Multiho auf den Sitzreihen hatten zu tuscheln begonnen. Ihre Blicke waren nun nicht mehr abweisend, sondern mitleidig und teilweise sogar offen und freundlich. Nach einigen Minuten der Beratung ergriff der Großgeheimrat das Wort. „Eine letzte Frage noch, Admiral Grahmox. eine Frage, von der die Entscheidung dieses Rates abhängt, daher antworten sie Wahrheitsgemäß und ausführlich: Welche Art von Hilfe erbitten sie vom Multiho – Reich? Wollen sie hier auf Multis um Asyl, also um Aufnahme bitten, oder werden sie, wenn ihr Schiff und ihre Crew versorgt sind, diesen Planeten verlassen und weiterfliegen?“

Jetzt wurde es interessant. Den flüchtigen Sacayranern Asyl zu gewähren wäre eine klare Entscheidung zugunsten des ehemaligen Sacayranischen Sternenreiches und konnte somit als Entscheidung gegen die Allianz aufgefasst werden. Nun hatte sich die Allianz direkt nach dem Ende des Sacayra – Krieges wieder zerstritten, die Bündnisse waren gebrochen und Verträge aufgekündigt worden. Dennoch, selbst jedes der Reiche, die zur Allianz gehört hatten, für sich alleine genommen war eine ernstzunehmende Bedrohung. Sicher würde das Multiho – Reich, welches stets um eine neutrale Haltung gegenüber allen raumfahrenden Spezies bemüht war, ein solches Risiko niemals eingehen. Würden sie Sacayraner hingegen weiterfliegen, sobald man ihnen Hilfe gewährt hatte, so musste dies von den anderen Reichen, falls diese es überhaupt herausfanden, als humanitäre Hilfen aufgefasst werden, nicht als politische Stellungnahme. Grahmox hatte dies natürlich in seine Überlegungen einbezogen, bevor er die Stargazer in die Atmosphäre von Multis navigiert hatte. Bei den Multiho Asyl zu beantragen war sinnlos, daher war der Plan ein Anderer. „Wir bitten“, begann er seine Antwort auf die Frage des K’Arhat „Um medizinische Hilfe und Versorgungsgüter aller Art, für die wir auch zu bezahlen bereit sind. Wenn wir sie erhalten haben und mein Schiff und seine Besatzung wiederhergestellt sind, werden wir den Planeten Multis wieder verlassen. Daher bitten wir nachträglich um die Erlaubnis, den Raum der Multiho durchfliegen zu dürfen. Unser Ziel ist es, das manarische Sternenreich am Rande des Sektors zu erreichen, den einzigen ehemaligen Verbündeten Sacayras, der sich nicht der Allianz angeschlossen hat. Dort wollen wir um Asyl auf dem Planeten Manaris bitten.“ Geschafft. Damit hatte der Admiral seinen gesamten Plan vor dem Rat der Multiho offengelegt. Die Fünf auf der Tribüne drehten ihm nun den Rücken zu und streckten die Köpfe zur Beratung zusammen. Grahmox verstand kein einziges Wort, da sich die Multiho in ihrer eigenen Sprache unterhielten, jedoch war offenbar eine lebhafte Diskussion im Gange. Auch auf den Tribünen wurde angeregt diskutiert, hin und wieder rief jemand mit lauter Stimme einige Worte in der Multiho – Sprache durch den Saal. Schließlich drehte sich der Großgeheimrat wieder zu Grahmox um, reckte seinen Stab in die Höhe, und verkündete das Ergebnis der Beratung:

„Wir, die Ratsvorsitzenden, haben uns eingehend beraten und sind zu folgendem Schluss gekommen: Den Sacayranern wird medizinische Versorgung in jeder Form gewährt, ihre Schwerverletzten werden mit deren Zustimmung in unseren Krankenhäusern behandelt. Alle Anderen werden jedoch, sofern dies möglich ist, weiterhin auf der Sternenschiff Stargazer einquartiert bleiben. Die Sacayraner erhalten Nahrung und Wasser, sowie alle Raumschiffkomponenten, die sie benötigen, allerdings keine Waffen oder Munition. Der Aufenthalt auf dem Planeten Multis wird den Sacayranern für die Dauer der Reparatur gewährt, außerdem erhalten sie hierbei Unterstützung durch Multiho – Reparaturteams. Um für die erhaltenen Wahren zu bezahlen, dürfen die Sacayraner für die Dauer ihres Aufenthalts auf Multis eine Arbeit ergreifen, und Geld verdienen. Nachdem die Reparaturen abgeschlossen und die Crew genesen ist, wird die Stargazer den Planeten Multis verlassen und Kurs auf Manaris nehmen. Hierfür werden ihr der Flug durch den Raum der Multiho und auch die Landung auf unseren Welten offiziell gestattet.“ „Nachträglich gestattet, meinst du wohl!“ unterbrach ihn der Multiho zur Rechten von K’Arhat mit schneidender, unfreundlicher Stimme. „Von diesem Recht haben sie ja bereits eingehend gebrauch gemacht, nicht wahr, Admiral?“ Es gelang dem Fremden, sogar Grahmox Dienstgrad wie eine Beleidigung klingen zu lassen. K’Arhat zischte ihm ein Paar schnell Worte in der Multiho – Sprache zu, dann wandte er sich an die versammelten Räte. „Billigen die Räte die Entscheidung der fünf Geheimräte?“ Zustimmendes Gemurmel war die Antwort. Ein Ratsmitglied, welches eine Rote Seidenrobe trug erhob sich und sagte formell: „Ich, S’Olpec, spreche für die Ratsversammlung. Wir billigen das Urteil der Geheimräte und schließen uns an.“ „Somit“, schloss K’Arhat die Versammlung, „Ist es beschlossen. Der hohe Rat von Multis wird in zwölf Tagen erneut zusammentreten. Bis dahin gehabt euch alle wohl.“